25. internationale Feuerwehrsternfahrt in Grado/IT
In viaggio verso l'Italia
Oldtimer, Feuerwehr und eine Reise an die Adriaküste – die Internationale Feuerwehrsternfahrt 2026 vereinte all diese Elemente auf einzigartige Weise. Mit dem Löschwagen 88 und dem Schlauchverlegefahrzeug 24 nahmen wir die Fahrt nach Grado unter die Räder. Was wir unterwegs erlebten und weshalb sich die Reise mehr als gelohnt hat, lest ihr im folgenden Bericht.
Am Jubiläumsfest der Feuerwehr Embrachertal im August 2024 hörten wir erstmals von der Internationalen Feuerwehrsternfahrt. Die Idee, mit dem Löschwagen 88 daran teilzunehmen, begeisterte uns sofort. Also begannen wir mit den Vorbereitungen.
Neben den üblichen Organisationsaufgaben wie Hotelbuchungen, Routenplanung und Fahrzeugvorbereitung beschäftigten uns besonders zwei Themen. Zum einen wurde uns berichtet, dass Italien bei Zollangelegenheiten sehr formal vorgeht. Bestätigt wurde dies unter anderem durch eine Information der Handelskammer beider Basel mit dem Titel «Urlaubsfahrt oder historische Parade im Ausland». - Link
Die daraus gezogene Schlussfolgerung war eindeutig: Beide Fahrzeuge sollten temporär ausgeführt und anschliessend wieder eingeführt werden. Dafür benötigten wir ein Carnet ATA, welches von der Handelskammer ausgestellt wird.
Das zweite Thema betraf die Strassen- und Autobahngebühren. Im Vorfeld konnten wir keine eindeutigen Informationen finden. Lediglich die Aussage, dass ein zweiachsiger Lastwagen vermutlich die gleichen Mautgebühren bezahlt wie ein Wohnmobil, schien verlässlich zu sein. Diese Annahme bestätigte sich später.
So machten wir uns am Morgen von Fronleichnam 2026 bei regnerischem Wetter mit dem «Löschw 88» (ex M+ 32 745, Chassis-Nr. 215 092) und dem «Schlauchverlegefahrzeug 24» (ex M+ 32 959, Chassis-Nr. 214 839) auf den Weg Richtung Süden.
An der Gotthard-Nordrampe mussten wir unsere Fahrt verlangsamen, denn mit uns wollten Tausende weiterer Fahrzeuge in den Süden reisen. Ein rund zehn Kilometer langer Stau war die Folge. Trotz der anfänglichen Unsicherheit bezüglich des Carnet-ATA-Verfahrens verlief der Grenzübertritt reibungslos. Die italienischen Zollbeamten arbeiteten äusserst genau und trugen unseren Vorgang – ganz wie früher – noch von Hand in ein grosses schwarzes Buch ein.
Danach ging es zügig über die italienischen Autobahnen weiter. Auch die Mautzahlung funktionierte problemlos. Gelegentlich war allerdings der Automat für Lastwagen ausser Betrieb, sodass wir aussteigen mussten, um das Ticket an einem Automaten in Personenwagenhöhe einzuschieben.
Nach vielen Kilometern Fahrt im Dauerregen erreichten wir die Region Venedig, wo wir die Nacht verbrachten. Die Scheibenwischer hatten an diesem Tag Schwerstarbeit zu leisten.
Am zweiten Tag setzten wir unsere Reise frühmorgens in Richtung Lignano fort. Der typische Badeort an der Adria erinnerte an viele ähnliche Ferienorte zwischen Venedig und Triest. Mit einem Saurer direkt am Meer unterwegs zu sein, war eine besondere Erfahrung. Unsere beiden historischen Fahrzeuge zogen zahlreiche neugierige Blicke auf sich.
Bevor wir Grado erreichten, das rund 50 Kilometer vor Triest an der Adriaküste liegt, machten wir einen Abstecher zum «Sacrario Militare di Redipuglia». Dieses monumentale Kriegerehrenmal ist das grösste Italiens und beherbergt die sterblichen Überreste von über 100'000 Gefallenen des Ersten Weltkriegs.
In Grado angekommen, regnete es noch immer. Dennoch nutzten wir die Gelegenheit, die Stadt zu erkunden. Überall waren historische Feuerwehrfahrzeuge anzutreffen: Haflinger, Jeeps, Steyr, Büssing-NAG und Mercedes – die meisten davon aus Deutschland und Österreich. Unsere beiden Saurer galten als Exoten und wurden regelrecht in Beschlag genommen. Das Interesse war enorm, und wir beantworteten zahlreiche Fragen zu Fahrzeugen und Geschichte.
260516 Grado 2026 01 Hinfahrt
Um 17.00 Uhr fand im Palacongressi die Delegiertenversammlung des Internationalen Komitees statt. Diskutiert wurde unter anderem die nächste Ausgabe der Sternfahrt, die in drei Jahren in Oberbayern stattfinden wird. Ebenfalls thematisiert wurde die Ausfahrt vom Samstagmorgen, die ausdrücklich pünktlich um 08.30 Uhr starten sollte. Diesen Hinweis hatten wir zunächst nicht allzu ernst genommen – und wurden eines Besseren belehrt.
Bereits um 08.00 Uhr versammelten sich die Teilnehmerfahrzeuge zur Aufstellung. Pünktlich zum Start der Ausfahrt klarte das Wetter auf. Aus allen Teilen der Stadt trafen die Fahrzeuge ein. Rund 50 historische Feuerwehrfahrzeuge machten sich schliesslich auf den Weg durch die Weinregion bis nahe an die slowenische Grenze.
Ein besonderer Höhepunkt war die Durchfahrt durch die UNESCO-Welterbestadt Palmanova. Die Stadt wurde Ende des 16. Jahrhunderts als Planstadt gegründet und hat bis heute ihren charakteristischen sternförmigen Grundriss bewahrt. Hunderte von Zuschauern säumten die Strassen der Dörfer und Ortschaften entlang der Route und winkten dem Konvoi begeistert zu.
260516 Grado 2026 02 Ausfahrt
Zurück in Grado wurde der Fahrzeugkorso direkt für den grossen Umzug durch die Stadt aufgestellt. Auch hier standen zahlreiche Zuschauer entlang der Strecke. Neben den Fahrzeugen nahmen viele Feuerwehren in Uniform und Formation am Umzug teil.
260516 Grado 2026 03 Umzug
Am Abend traf man sich im grossen Festzelt zum geselligen Beisammensein. In entspannter Atmosphäre wurden Erfahrungen ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft. Viele der sogenannten «Sternfahrer» nehmen seit Jahren regelmässig an diesem Anlass teil.
Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Erholung. Wir genossen das berühmte Dolce far niente und liessen die Eindrücke der vergangenen Tage in Grado auf uns wirken.
Am Montag traten die beiden Saurer 6DM schliesslich die Heimreise an. Über Venedig und Mailand führte die Route zurück in die Schweiz. Die rund 1'600 Kilometer lange Reise meisterten beide Fahrzeuge ohne technische Probleme.
Die Internationale Feuerwehrsternfahrt bot uns die Möglichkeit, neue Kontakte zu Feuerwehren aus verschiedenen Ländern zu knüpfen und zahlreiche, für uns bislang unbekannte Fahrzeuge kennenzulernen. Die Kombination aus Feuerwehrwesen, historischen Fahrzeugen und den gemeinsamen Erlebnissen mit unseren Saurern machte diese fünf Tage zu einem besonderen Erlebnis.
Ein spannender Anlass, den wir allen Feuerwehr- und Oldtimerfreunden wärmstens empfehlen können.